Mitarbeiter

Oder der Faktor 20

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Ein kurzer Gedanke den man halt mal so hat:

Würde man auf die Hälfte eines Schweitzer Durschnittlohnes verzichten, könnte man sich in Addis nicht nur einen, nein gleich eine ganze Schar von Mitarbeitern leisten. So z.B. zwei Kader, sieben Ausgebildete und sieben Arbeiter.

Das ein Lohnunterschied von etwa Faktor 20 besteht zeigt z.B. auch folgende Statistik: http://www.ubs.com/2/e/medlib/wmr/pdf/Preise_Loehne_2011_d.pdf

Wenn man aber bedenkt, das in Addis

  1. eine kleine Oberschicht den Durchschnittslohn stark nach oben beeinflusst
  2. die Einkommensunterschiede der Mittelschicht auch noch recht gross sind

dürfte dass Gross der (arbeitenden!) Leute noch deutlich weniger als CHF 4’000/20=200 CHF verdienen.

Auf den ersten Blick klingt dieser Faktor 20 vielleicht nicht nach viel, das obige Gedankenexperiment soll jedoch das Ausmass seiner Dimension darstellen.

Was mich manchmal etwas beunruhigt ist, dass, zumindest so meine Beobachtung, Expatriates sehr wohl um diesen Faktor wissen, sich aber nicht gewohnt sind, im Alltag permanent ein Umrechnen durchzuführen.

- wie schreibe ich dies wohl damit man mich nicht falsch versteht? Ich gebe ein Beispiel:

”Dir ist bewusst das ein Handwerker hier so und so viel verdient?” ”Ja.” ”Das heist das wir gerade für den Tageslohn eines Handwerkers gegessen haben.” ”Wirklich?”

Europa fällt

Wie schon erwähnt wissen die Leute hier um den Reichtum Europas. Und sie wissen auch um dessen Krise. Aber Achtung, nicht etwa um Finanz&Bankkrise* sondern um die Gesellschaftkrise als ganzes:

So ist Europa moralisch am Boden, die Werte zerfallen. Jeder schaut für sich selbst, die Leute sind Geistig verarmt.

Beispiel

(kommen noch)

Mein Standpunkt

Europa hat seine Schwächen, dies sind unter anderem:

  •  Das Vorhandensein von Sozialwerken schwächt das Bedürfnis nach einem Freundeskreis.
  • Die Ausweitung des Dorfes führt zur Identitätskrise (Dies ist eine weitere meiner vielen Theorien, hier nur knapp erklärt: Früher reichte der Informationsradius bis zum Dorfrand, eventuell noch bis nächstgrösseren Stadt. Die Rollen waren klar definiert: Es gab den Kreativen, der Reiche, Glückliche, der Schnelle, der Grosse, die Schöne etc. Heute ist das Dorf die (westliche) Welt, der Dorfklatsch Blick am Abend. Die oben genannten Standartrollen sind unerreichbar durch Promis vergeben. Wo bleibt mein Platz?)
  • Die Finanzkrise ist real. Ihre Lösung fängt aber beim Bürger an, nicht beim nächst besseren Präsidenten.

Es ist also nicht alles gut, und ganz sicher gibt es auch Beispiele der total sozialen Verarmung etc. Auch gibt es Probleme, welche über das soziale Zusammenleben hinausgehen, so z.B. die Umweltzerstörung oder Koloniales verhalten.

Doch ich sehe auch vieles Gutes

(es folgt eine noch zu erstellende lange Liste)

Woher kommts

Nebst dem Offensichtlichen (schlecht-reden des Anderen zwecks Selbstbestätigung) habe ich mir wieder einmal eine eigene Theorie gebastelt:

Wann verlässt ein Mitarbeiter eine Firma – wenn er enttäuscht von ihr ist. Was erzählt er über seine ehemalige Firma am neuen Arbeitsplatz – … .

Die genannten und geglaubten Motive zum Wegzug vieler Expats / Entwicklungshelfer düften zwar Andere sein. Und auch wenn es (Enttäuschung durch die Gesellschaft im Hematland) nur ein sekundäres Motiv ist – gut möglich das es seinen Einfluss auf das Bild Europas hat

Debra Libanos

Heute gehts raus – raus aus Addis.

Mit 22 Jungs (18-20J), 5 Betreuer und der Organisatorin und ihrem Sohn habe ich die Gelegenheit, mit auf einen Tagesausflug ausserhalb von Addis zu gehen

Die Hinreise

 

Alle Fotos

Mich hats erwischt

Nun ist es also soweit – Seit Donnerstag geniesse ich meinen ersten richtigen Durchfall (Ev. Reisedurchfall). Eigentlich hatte es schon letztes Wochenende angefangen: Flüssig am Samstag und Sonntag, dann wieder gut.

Montag bis Mittwoch war wieder gut. Dann der Donnerstag – Am morgen Termin auf bei der Telekom um einen ADSL Anschluss für die Firma zu organisieren. Warten in der Schlange, keine Toilette in Sicht. Das Gespräch war dann eher ernüchternd, waren nicht wirklich mehr Informationen zu erfahren wie im Internet publik sind (Upload Rate, Modem Type???). Wie froh war ich, als ich endlich die wohl-bekannte Toilette im Guesthouse erreichte.

Mit den Stuhlgängen häuften sich auch die Tipps was zu tun sei: Amöben, Würmer und alles mögliche wurde genannt. Ich wusste nur, dass ich am Abend zuvor ein lokales Injara und 10 Bananen bei Dunkelheit gegessen habe.

Schmerzen oder so hatte ich keine. Einfach viele Stuhlgänge, mit der Zeit eher Wassergänge. Am Samstag wollte ich unbedingt mit nach Debra Liberas gehen. So ass ich den ganzen Samstag nichts, um nicht urplötzlich die ganze Reisegruppe aus Geschäftlichen Gründen zum Unterbruch zu zwingen.

Am Abend besuche ich ein Nobelrestaurant mit Silas, einem Schweizer der für drei Tage im Guesthouse ist. Reisring mit Rindsgeschnetzeltem, Orangensaft und ein Caramelköpfli stehen auf dem Programm, herrliches Ambiente. 250 Birr.

In der Nacht der Horror, eine riesen Blähung: Übelkeit, Gerumpel und Druck. Drei Toilettengänge schaffen Abhilfe; Hotelgäste im Umkreis der Toilette sind jetzt sicher wach.

Der Sonntag wird zum Fastentag, Wassergänge wechseln sich ab Wassertrinken. Ich esse Bouillonwürfel, Huhn und Kuh sorgen für Abwechslung. Am Abend noch eine Papaya, soll anscheinend helfen.

Am Montag morgen besuche ich den Arzt, er verschreibt mir ein Antibiotikum. Seit 3 Uhr Morgens bin ich Trocken, ich hoffe das wars dann. Langsam bewege ich mich wieder auf dem Pfad der Essenden.

Bilder gibts hier (leider) keine ;-)

Be the change you want to see

Folgeartikel zu Money

Das ich hier reich bin, ist unterdessen klar. Da ist die Versuchung natürlich gross, daraus Profit zu schlagen.

Der Neuling in Addis wird sich sehr wahrscheinlich schwer damit tun, dass jemand seine Kleider wäscht, die Schuhe putzt und Tag und Nacht vor dem Gartentor sitzt um es bei bedarf zu öffnen.

Immer wieder kriegt Mann dann zu hören, dass dies gut so ist, weil dies ja wertvolle Arbeitsplätze sind. Man hört sogar Stories, dass die Westler nicht beliebt wären, die von diesen Services nicht Gebrauch machen würden. Diese Aussage hat sicher etwas Wahres. Ich vermute aber auch, dass sie zum Teil schlichtweg zur Selbstrechtfertigung für das eigene Verhalten dient.

Folgende Fragen stelle ich mir:

  1. Wäre ich bereit, diese Arbeit auszuführen?
  2. Hat diese Arbeitsstelle längerfristig Zukunft/ist sie die Vorstufe zu einer besseren Arbeitsstelle?

Der Job den ich besonders kritisch hinterfrage sind die Kinder die auf der Strasse für 0.15 CHF die Schuhe putzen.

Klar ist es für sie besser, durch eine ehrlichen Arbeit zu Geld zu kommen. Aber ich würde die Arbeit nicht ausführen, auch führt sie nicht zu einer besseren Arbeitsstelle.

Längerfristig könnte es sogar sein, das durch das Unterstützen dieses Businesses in Zukunft noch mehr Schuhputzende Kinder geben wird. Denn was man unterstützt, dass wächst.

So beschliesse ich also, jedenfalls für den Moment, aufs Kinderschuhputzen zu verzichten.

Merkato

Schon zum zweiten mal hatte ich heute die Gelegenheit, den berühmt-berüchtigten Merkato zu besuchen.

Money, Money, Money

Was die Russen in St. Moritz, sind die Westler in Addis. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass so ein ähnliches Verhalten/Wahrnehmen Verhältnis besteht.

Ich denke auch, dass Geld eine der Hauptherausforderungen ist, wenn es darum geht, mit Locals in Kontakt zu treten.

So ist zwar westlich Essen für uns günstig, für Locals aber unerschwinglich. Und sie kenne die Preise in diesen Restaurants – kein Wunder kommt  bei Kontakt schnell mal die Frage nach Geld auf.

Preistabelle

Essen im Lokalrestaurant

Injara mit Sauce 12 Birr
3dl Cola 5.5 Birr

+15% MWST und 10% Trinkgeld

Serenade

(Europäisches Restaurant)

Fleischgericht 115 Birr
Vegi 90 Birr
Vorspeise, Dessert 60 Birr
3dl Cola 12 Birr

+15% MWST und 10% Trinkgeld

Weiteres

Burger im Amerikanerschuppen 100* Birr
Rindsgeschnetzeltes Reis und Pommes im Lokalrestaurant 55* Birr
1kg Banane 10 Birr
1x Schuhputzen 3 Birr
Simkarte 40 Birr
5km Minibusfahren 2 Birr

*+15% MWST und 10% Trinkgeld

 

Piazza und Ethnologisches Museum

Schon mal die Bilder, der Bericht kommt noch

Bowling in Addis

Am Freitag Abend war ich Bowlen mit Misty, Alaska, Brit, Kiely und Tyler; alles irgendwie Entwicklungshelfer aus den Staaten.

Für gerade mal 30 Bir erlernte ich die Kunst des Bowlen. Meine erste Runde konnte ich gleich mit einem grandiosen Sieg abschliessen :-). Man stelle sich mal das Ambiente vor, Simon irgendwo nähe Mexico (ein Quartier/Kreisel) und einem alten Keller bei Hamburger und Cola in Addis am Bowlen.

Planänderung

Nach dem ich nun fünf Jahre im Namen der Technik unterwegs war, freute ich mich auf Abwechslung: In diesem Einsatz würde ich das Leben von seiner einfachen und natürlichen Seite erleben und viel in Gemeinschaft unterwegs sein. Auch freute ich mich auf das Zusammensein in einer Gesellschaft mit vielen Kindern.

Als ich am Mittwoch vor einer Woche hier angekommen bin, habe ich vieles vorgefunden, was ich eigentlich nicht brauche:

  • Warmwasserdusche (und Badewanne)
  • Privatküche
  • Morgenessen mit Muffins, Waffeln, etc, Mittagessen mit Schmorbraten, Gemüse und Desert
  • Hi-Speed Internet, 3G auf dem Handy
  • Wäsche und Schuhputzservice
  • Viele Restaurants mit Hamburger, Pasta und Pizza (Zitat meines Sitznachbars im Flugzeug: Ein Erbe der Italiener ist es, dass du im entlegensten Winkel Pasta vorfinden wirst.)

Andererseits finde ich mich an einem Ort inmitten einer Grossstadt mit kaum atembarer Luft und wenig stationären Leuten, insb. In meinem Alter. Glücklicherweise ist mein Apartment eines der ruhigsten. Ich vermisse also:

  • Saubere Luft
  • Gemeinschaftsleben (In diesem Gästehaus/Bürokomples kommen die Leute a) zum Arbeiten, b) für 2-3 Tage)
  • Kontakt zu lokalen Leuten (Ich durfte bereits feststellen, dass ein Einkommensunterschied von Faktor 20-100 Dinge einfach schwierig macht).

Nebst den umwerfenden Eindrücken dieser Stadt (Oftmals wie ein anderer Planet, bei Gelegenheit berichte ich mehr), einem freundlichen Willkommen heissen durch meinen Cheff und liebevollen Kontakt zu Nachbarinnen die z.T. schon mehrere Jahrzehnte im Land sind, war ich doch häufig eher in einem Tief (alleine Essen, langweilige Abende).

Unterdessen hat die Regenzeit begonnen, glücklicherweise ist somit die Luftqualität deutlich gestiegen. Meine Recherchen haben ergeben, dass Forenji (Ausländer) hier so Tätigkeiten wie Schwimmen, Kino, Fitness und günstig Essen nachgehen.

Und so beschliesse ich, eine Planänderung vorzunehmen, mein Backtotherootsgemeinschaftstripp auf später zu verschieben und mich auf ein solches Leben einzustellen.

Gestern hatte ich das Glück, von einer Gruppe von jungen ‘Ichmachemeinafrikaeinsatz’ Amerikaner zum Bowlen eingeladen zu werden. Was für ein Abend!

Ich komme also langsam besser zurecht, fehlt mir nur noch ein SUV um mich Artgerecht in dieser in der Stadt verstreuten Community zu Bewegen. ;-)