{"id":16,"date":"2010-04-18T12:00:23","date_gmt":"2010-04-18T12:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.simon-christen.ch\/wordpress\/?p=16"},"modified":"2011-07-31T16:13:11","modified_gmt":"2011-07-31T16:13:11","slug":"semestergebuhren-in-der-schweiz-fur-studierende-aus-dem-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.simon-christen.ch\/?p=16","title":{"rendered":"Semestergeb\u00fchren in der Schweiz f\u00fcr Studierende aus dem Ausland"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden Stimmen f\u00fcr eine Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren \u2013 insbesondere f\u00fcr Ausl\u00e4nder \u2013 laut. So zum Beispiel NZZ Online vom 11.04.2010 :<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/schweiz\/hoehere_studiengebuehren_fuer_auslaender_sind_zumutbar_1.5416728.html\"> \u201eDie Z\u00fcrcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli bereitet eine Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren vor. Ausl\u00e4nder sollen mehr bezahlen als Schweizer.\u201c<\/a><\/p>\n<p>Ich finde das eine sehr schlechte Idee, kurz einige Argumente:<\/p>\n<ul>\n<li>Bef\u00fcrworter sagen \u201cDie Studenten aus dem Ausland arbeiten nach dem Studium nicht in der Schweiz und m\u00fcssen daher mehr bezahlen\u201c.<br \/>\nDiese eingeschr\u00e4nkte Sichtweise und zeugt von wenig \u00dcberlegung. Eigentlich gibt es acht F\u00e4lle:<\/p>\n<ol>\n<li>Schweizer die in der Schweiz studieren und Arbeiten<\/li>\n<li>Schweizer die in der Schweiz studieren und im Ausland Arbeiten<\/li>\n<li>Schweizer, die im Ausland studieren und in der Schweiz Arbeiten<\/li>\n<li>Schweizer, die im Ausland studieren und Arbeiten<\/li>\n<li>Ausl\u00e4nder die in der Schweiz studieren und Arbeiten<\/li>\n<li>Ausl\u00e4nder die in der Schweiz studieren und im Ausland Arbeiten<\/li>\n<li>Ausl\u00e4nder, die im Ausland studieren und in der Schweiz Arbeiten<\/li>\n<li>Ausl\u00e4nder, die im Ausland studieren und Arbeiten<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Auff\u00e4llig ist folgendes:\n<ol>\n<li>In der Kosten-Nutzen Rechnung sind nur Gruppe 2,3,6 und 7 relevant, wobei 2 und 6 die Kosten, und 3 und 7 die Nutzen sind.<\/li>\n<li>Die acht F\u00e4lle lassen sich auf vier Reduzieren: F\u00fcr eine Kosten Nutzen Rechnung spielt es keine Rolle welcher Nationalit\u00e4t ein Gruppe angeh\u00f6rt. Dh Gruppe 1-4 und 5-8 sind dieselben. -&gt; Aus dieser Sicht wird sofort klar, dass mit einer Nationalit\u00e4tenunterscheidung in einer Kosten (Studieren)\/Nutzen (Arbeiten) Sichtweise nichts gewonnen wird.<\/li>\n<li>Der Bef\u00fcrworter sagt jetzt nat\u00fcrlich, dass die Nutzergruppe 6 gr\u00f6sser ist als z.B 5 und somit ein Anstieg der Geb\u00fchren gerechtfertigt ist. Aber genau diese Sichtweise bringt mich auf den Hauptpunkt des Arguments:<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>W\u00fcrde man f\u00fcr Gruppe 6 und 5 die Geb\u00fchren erh\u00f6hen, m\u00fcsste man Gerechterweise auch:\n<ol>\n<li>Gruppe 7 ber\u00fccksichtigen: Jedem im Ausland Ausgebildeten, der in die Schweiz arbeiten kommt, m\u00fcsste man seinem Heimatstaat eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr seine Ausbildung bezahlen. Und diese Gruppe ist meines Wissens weit gr\u00f6sser als Gruppe 6\u2026 (Bei Gruppe 3 m\u00fcsst man gleich vorgehen)<\/li>\n<li>Gruppe 2 Ber\u00fccksichtigen: Jedem Schweizer der vorhat, im Ausland zu Arbeiten auch die h\u00f6heren Semestergeb\u00fchren verlangen\u2026<\/li>\n<li>Gruppe 5 Ber\u00fccksichtigen: Den Ausl\u00e4ndern, die in der Schweiz studieren aber dann auch da Arbeiten die h\u00f6heren Semestergeb\u00fchren wieder zur\u00fcckbezahlen&#8230;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Fazit: In der Bilanz mit Leuten, die im einen Land Studieren und im anderen Arbeiten, liegt die Schweiz auf der Gewinnerseite, da viele gutausgebildeten Personen aus dem Ausland in die Schweiz arbeiten kommen. Wenn Leute nun der Gerechtigkeit willen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studenten die Semestergeb\u00fchren anheben m\u00f6chten, m\u00fcsste man konsequent auch f\u00fcr alle anderen Gruppen einen Finanziellen Ausgleich schaffen \u2013 und das w\u00fcrde die Schweiz teuer zu stehen kommen.<br \/>\n-&gt; \u00dcber Gerechtigkeit f\u00e4ngt man besser gar nicht erst zu Argumentieren.<\/li>\n<li>Wie w\u00fcrde sich denn eine Erh\u00f6hung der Geb\u00fchren wirklich lohnen:\n<ol>\n<li>Die ETHZ hat ~2900 Ausl\u00e4ndische Studierende, (ohne Doktoranden).<\/li>\n<li>W\u00fcrde man die Semestergeb\u00fchren um 1000CHF erh\u00f6hen w\u00fcrde dies Einnahmen von 5.8 Mio bedeuten.<\/li>\n<li>Auf ein <a href=\"http:\/\/www.ethz.ch\/about\/publications\/annualreports\/zahlen_und_fakten_2008_de.pdf\">Budget<\/a> von ~1Mrd ein eher bescheidener Betrag<\/li>\n<li>Selbst wenn man die Geb\u00fchren auf 10\u2018000 CHF pro Semester erh\u00f6hen w\u00fcrde, w\u00e4re dies mit 58Mio gerade mal 5% des Budgets.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Daraus sehen ich, dass die Motivation f\u00fcr h\u00f6here Studiengeb\u00fchren auch nicht in den Finanzen liegen kann.<\/li>\n<li>Mit einer Erh\u00f6hung der Geb\u00fchren nach Angels\u00e4chsischem Vorbild w\u00fcrde f\u00fcr viele Studenten dieselbe zu eine Betr\u00e4chtlichen Posten im Jahresbudget. Was viele Leute nicht ber\u00fccksichtigen: L\u00e4nder mit hohen Studiengeb\u00fchren kennen meist auch ein ausgepr\u00e4gtes Stipendiensystem. Da aber Stipendien kompliziert und in den meisten F\u00e4llen nicht wirklich gerecht verteilt sind, ist ein System mit tiefen Studiengeb\u00fchren und weniger Stipendien klar vorzuziehen.<\/li>\n<li>Ein weiteren Punkt m\u00f6chte ich noch kurz festhalten: Ausl\u00e4ndische Studierende habe ich meist als sehr fleissig und Motiviert eingesch\u00e4tzt. Folgende Zahlen m\u00f6gen dies Verdeutlichen: <a href=\"http:\/\/www.ethlife.ethz.ch\/archive_articles\/090115_MM_Maturastudie\/090115_maturandenstudie\">Durchschnittsnote an der Basispr\u00fcfung<\/a>:\n<ol>\n<li>Schweizer Studierende: 4.22<\/li>\n<li>Ausl\u00e4ndische Studierende: 4.5<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn jetzt also:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Argument f\u00fcr h\u00f6here Geb\u00fchren nicht internationale Gerechtigkeit,<\/li>\n<li>noch der Finanzielle Gewinn f\u00fcr die Hochschulen ist und<\/li>\n<li>H\u00f6here Studiengeb\u00fchren grunds\u00e4tzlich nur zu einem komplizierten Stipendiensystem f\u00fchren,<\/li>\n<\/ol>\n<p>Warum sollte man dann die Geb\u00fchren f\u00fcr Ausl\u00e4ndische Studenten erh\u00f6hen?<\/p>\n<p>Weil es zu wenig Studienpl\u00e4tze hat? Aber warum bestrafft man dann gerade die Gruppe, die durchschnittlich bessere Leistungen erbringt?<\/p>\n<p>Wenn es wirklich an Studienpl\u00e4tzen mangelt, l\u00e4sst sich dies \u00fcber Leistungskontrollen korrigieren, aber sicher nicht \u00fcber h\u00f6here Studiengeb\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz werden Stimmen f\u00fcr eine Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren \u2013 insbesondere f\u00fcr Ausl\u00e4nder \u2013 laut. So zum Beispiel NZZ Online vom 11.04.2010 : \u201eDie Z\u00fcrcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli bereitet eine Erh\u00f6hung der Studiengeb\u00fchren vor. 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